GAW Traubenkirsche
Naturschutzverein Grüne Aktion Westerzgebirge e.V.
Die Ausstattung unserer heimischen Natur mit den verschiedensten Gehölzen ist aus erdgeschichtlichen Gründen wesentlich artenarmer als in vergleichbaren Regionen Nordamerikas. Aber dennoch verfügen wir über Baum- und Straucharten, die auf Grund ihrer Biologie etwas Beachtenswertes darstellen. Zu diesen Vertretern darf man mit Sicherheit unsere heimische Traubenkirsche, oder wissenschaftlich Prunus padus, zählen. Ein Strauch der unter günstigen Umständen auch zu einem kleinen Baum heranwachsen kann, und in seiner natürlichen Standortwahl die feuchteren Landschaftsbereiche wie Auen, Bachläufe und Gewässerränder bevorzugt. Hier vermag diese Art durch sein intensives Durchwurzelungsvermögen das Erdreich zu festigen und damit Uferbereiche zu stabilisieren. Diese Eigenschaft wird durch die Fähigkeit der Äste, sich bei Bodenkontakt sich zu bewurzeln noch verstärkt. Also eine ökologischere Variante, als der ingenieurtechnische Ausbau so mancher Bach- und Flussabschnitte. Aber auch der oberirdische Teil dieses Gehölzes weist eine Vielzahl interessanter Eigenschaften auf, die eine verstärkte Ansiedlung der Traubenkirsche rechtfertigt. So ist sein im Herbst sich dekorativ rot verfärbtes Laub gut zersetzlich und damit geeignet, verarmte Böden zu beleben und deren Fruchtbarkeit somit wesentlich zu erhöhen. Ihre große Blütenfülle dient vielen Insekten als eine der ersten Nahrungsquellen im Jahr und sorgt außerdem mit ihrem hellen Blütenweiß für eine farbliche Bereicherung der Landschaft. Aus den etwa 15 kleinen Blüten je Traube entwickeln sich im Juli allein für 24 Vogelarten als Nahrung dienende kleine schwarze Früchte. Besonders Drosseln, Grasmücken und Finken sind dann hier als Gast anzutreffen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil für die Ausbringung jener Art in unserer Landschaft ist der geringe Wildverbiss an ihr. Dies begründet sich unter anderem an einem eigenen intensiven Geruch der Rinde. Die Traubenkirsche gedeiht als Halbschattenbaumart auch unter lichten Beständen und auf anderen schattigen Standorten. Das Holz ist als Brennholz verwendbar und durch ein ausgeprägtes Stockausschlagvermögen, muss nach der Entnahme des Baumes nicht nachgepflanzt werden, da sich aus dem Stock neue Stämme entwickeln. Die Traubenkirsche ist, abgesehen von den oberen Gebirgslagen in Sachsen, auf geeigneten Standorten flächig heimisch und gliedert sich hierbei in zwei Unterarten auf. In nördlichen Regionen (Brandenburg, Mecklenburg) hat sich die spätblühende Traubenkirsche eingeschleppt aus Nordamerika, weit ausgebreitet und gefährdet hier durch ihre Konkurrenzkraft natürliche Waldgesellschaften und deren Verjüngungsfähigkeit. Unser Verein, die Grüne Aktion Westerzgebirge, möchte mit der Pflanzung weiterer heimischer Traubenkirschen auf geeigneten Standorten in der Region wieder einen wirkungsvollen Beitrag im Naturschutz leisten. Eigentümer von entsprechenden Flächen können Traubenkirschen über uns erhalten oder Flächen uns zur Bepflanzung anbieten.
Traubenkirsche
Die Traubenkirsche - ein Tausendsasa unter den heimischen Gehölzen